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100 Jahre Mühlenkopfschanze und ein Dorfmeister, der einfach nicht abtritt

Erstellt von: Dirk Bäringhausen

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Die Mühlenkopfschanze feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Seit einem Jahrhundert ist sie das sichtbare Wahrzeichen des Ski-Club Willingen – und ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wird. Meist in großen Sprüngen, manchmal aber auch in langen Schwüngen.

Denn neben Skilanglauf, Biathlon und Nordischer Kombination hatte der SCW einst auch eine Ski-Alpin-Abteilung. Und um deren wohl langlebigste Heldentat zu würdigen, müssen wir zurückreisen – genauer gesagt ins Jahr 1983, also stolze 43 Jahre. Damals wurden die alpinen Dorfmeisterschaften in der Abfahrt ausgetragen. Bei den Junioren triumphierte ein gewisser Uwe Horst Ziemann – und zwar auf Maxel-Racing-Abfahrtsski in beeindruckenden 222 Zentimetern Länge. Seine Konkurrenten gaben dem Ski ehrfürchtig den Namen „Skadi“, benannt nach der nordischen Göttin des Winters - Respekt ist eben zeitlos.

Was man damals noch nicht wusste: Es sollten die letzten Dorfmeisterschaften der Alpin-Abteilung bleiben. Mit einer unerwarteten Nebenwirkung: Uwe Horst Ziemann ist bis heute amtierender Dorfmeister, seit nunmehr 43 Jahren ungeschlagen. Eine Titelverteidigung, von der selbst internationale Sportgrößen nur träumen können.

Doch was hat dieser alpine Triumph von damals mit der Mühlenkopfschanze im Jahr 2026 zu tun? Die Antwort ist Lars Engelbracht, 16 Jahre jung, mit Hausnamen Baukenbörners. Lars ist Teil des Schanzenpräparations-Teams, besser bekannt als das legendäre Tretkommando, und hegt den ehrgeizigen Wunsch, sich in die ruhmreiche Reihe der „Fahnen-Fahrer“ einzureihen. Dafür, so viel war klar, braucht man heute wie damals das richtige Equipment.

Der Schatzmeister des SCW erinnerte sich an die über die Jahre immer farbenfroher ausgeschmückten Erzählungen des alpinen Altmeisters und fragte kurzerhand nach Unterstützung in skandinavisch-göttlicher Form. Konkret: Ob Uwe Horst Ziemann bereit wäre, seine ikonischen Maxel-Racing-Ski, gefertigt Ende der 1970er Jahre in einer kleinen italienischen Manufaktur, noch einmal aus dem Ruhestand zu holen.

Sichtlich gerührt, denn dieses alpine Andenken kommt auf lokaler Ebene etwa den Siegen einer Mikaela Shiffrin gleich, zögerte Uwe nicht lange. Die Ski, jahrzehntelang wohlbehütet und fast schon ehrfürchtig im Hotel Willinger Mitte verwahrt, dürfen wieder dorthin zurück, wo Geschichte geschrieben wird: an den legendären Mühlenkopf. Es sind genau diese kleinen Anekdoten, die den Mühlenkopf, ganz ähnlich wie den Holmenkollen, zu dem machen, was er ist: legendär.

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