Die Lokalmatadoren aus einem Jahrhundert Geschichte
Erstellt von: Presseteam
Die Mühlenkopfschanze ist seit 100 Jahren das Herzstück des Wintersportorts Willingen und ein Wahrzeichen des Skispringens. Sie ist nicht nur die größte Großschanze der Welt, sondern auch ein Symbol für Mut, Leidenschaft und Tradition. Generationen von Athleten – vom Nachwuchstalent bis hin zum Olympiasieger – haben hier ihre Spuren hinterlassen.
Rund 170 Meter – so hoch wie der Kölner Dom – beträgt der Höhenunterschied vom Auslauf der Schanze bis hin zum Adlerhorst, dem Anlaufturm. Als die erste Schanze vor dem Zweiten Weltkrieg am Mühlenkopf entstand, war der Aufstieg noch beschwerlich: Zu Fuß ging es vom Auslauf bis hinauf zum Turm. Heute bringt eine moderne Bahn die Athleten bequem zum Adlerhorst. Die Anlage wurde mehrfach umgebaut und modernisiert, um internationalen Standards zu genügen. Seit 1995 ist die Mühlenkopfschanze Schauplatz legendärer Weltcups, die Willingen in die erste Reihe des Skisprungkalenders katapultierten.
Doch zurück zu den Anfängen: 1950 sorgte Sepp Weiler für den ersten großen Paukenschlag: Mit 101 Metern stellte er einen Rekord auf der ein Jahr zuvor zur Großschanze umgebauten Anlage auf. Der Oberstdorfer war, wenn man so will, der erste Lokalmatador als Sieger am Mühlenkopf, weil er sich anschließend mit seiner Familie im Upland niederließ und erst eine Skihütte und später auch ein Hotel betrieb. Mit Christian Lehnert aus Warmensteinach war auch der nächste Willinger Lokalmatador ein Import, den Hans Schlömer aus dem Fichtelgebirge ins Sauerland holte. 1956 sprang Lehnert bei den Deutschen Meisterschaften am Mühlenkopf für den Ski-Club Willingen. Damals musste sich jeder Springer aus einer Luke einfahren. Erst Jahre später setzte sich der in Willingen erfundene Happle-Balken, der Startbalken, durch. Christian Lehnert avancierte als Hotelier und Kurdirektor später auch zum Vorsitzenden des Ski-Clubs Willingen. Ein echter Willinger trat dann sportlich in seine Fußstapfen: Oswald Schinze. Der spätere Landestrainer von beispielweise Jochen Behle erlebte den Umbruch vom Parallel- zum V-Stil.
Neben und nach ihm trauten sich zunächst nur noch Veljo Strucl, Josef Samek, Volker Leyhe sowie die Kombinierer Karl-Wilhelm Lindner und Dirk Kramer auf die große Mühlenkopfschanze, die vor dem Umbau zur größten Großschanze der Welt für die Kult-Weltcups ab 1995 auch noch eine kleine Schwester hatte. Kramer schaffte es als Skispringer sogar bis zur Vierschanzentournee.
Auch die Nachwuchsspringer träumen bereits davon, einmal von der Mühlenkopfschanze zu springen. Von den ersten Sprüngen auf der Mini-Schanze am Orenberg bis hin zu Flügen am Mühlenkopf führt allerdings ein jahrelanger, harter Weg. Dass der Traum einmal wahr wird, dafür sorgt unter anderem Trainer Jörg Pietschmann, der selbst international auf den Willinger Schanzen unterwegs war. Später unterstützt vom Österreicher Heinz Koch brachten sie Stephan Leyhe bis ganz nach oben, der 2020 den ersten Weltcupsieg eines Willingers auf der Heimschanze feierte – eine Sternstunde für den Ski-Club Willingen.
Mit Leyhes älterem Bruder Christoph starteten Pietschmann und der damalige SCW-Coach Nick Huber aus Österreich auch das „Abenteuer Mühlenkopfschanze“. Wenn es der Zustand der Schanze nach dem Weltcup zuließ, durften die Willinger Talente mit langem Anlauf ihr Glück auf der Mühlenkopfschanze versuchen. Mit 16 Jahren traute sich Stephan Leyhe erstmals über den Balken und landete bei 150 Metern. Sein Bruder Christoph war zuvor schon 132 Meter weit geflogen.
Nachdem die Österreicherin Eva Ganster als erste Frau und Vorspringerin im Europacup den Mühlenkopf bezwang, bekamen später auch die Willinger Nachwuchsspringerinnen Jenna Mohr, Anna Häfele und zuletzt Michelle Göbel ihre Chance. Auch viele Sportkameraden durften sich nach den großen internationalen Wettbewerben beweisen: Hermann Saure, Christian Vogel, Daniel Luckey, Paul Winter, Julian Feldmann, Janne Puk, Lennart Weigel, Robin Kloß und Simon Spiewok – alle fassten ihren Mut zusammen und segelten vom Mühlenkopf. Und Philipp Beckmann und Steffen Lignau werden wohl die nächsten Sportler sein, die den Sprung wagen dürfen.
Mit dem Neubau einer HS87-Schanze im Strycktal sollen die Trainingsmöglichkeiten für den Nachwuchs schon bald verbessert werden. Das Ziel: Wieder eine Willingerin oder einen Willinger im Nationalteam zu haben – ganz in den Spuren von Stephan Leyhe. Foto: Mavericks
Die Willinger Lokalmatadoren auf der Mühlenkopfschanze
Der erfolgreiche ehemalige Biathlet Tobias Lindner und sein inzwischen verstorbener Vater Karl-Wilhelm, eine SCW-Legende in der Langlauf-Spur und auf der Schanze, haben bereits vor Jahren versucht, die Namen all jener Willinger aufzuschreiben, die sich über die große (oder auch kleine) Mühlenkopfschanze gewagt haben. Trainer Jörg Pietschmann hat die Liste erweitert.
Ältere Generation: Ludwig Volke (vor dem Krieg), Ludwig Querl, Friedrich Kramer (Dulle), Willi Stremme (Krusen), Erich Genuit (Erfinder der Sprungbindung und des Katapultstart), Karl Urff, Heini Schlüter, Christian Lehnert, Sepp Weiler, Karl Wilhelm Lindner, August Kämper (WSV Jugendmeister Kombination).
Mittlere Generation: Oswald Schinze, Veljo Strucl, Josef Doda, Harald Wilke, Volker Hoffmann (Usseln), Josef Samek, Armin Börger, Volker Leyhe, Dirk Kramer, Christian Behle, Dieter Benthin, Dr. Christoph Rühl (DSV-Arzt), Arnd Lange, Frank Lange, Ralf Lange, Christoph Bangert, Bernd Müller (jetzt Chef Technik), Heiner Göbel, Jörg Bartmann.
Junge/aktuelle Generation: Jenna Mohr, Anna Häfele, Michelle Göbel, Christoph Leyhe, Stephan Leyhe, Hermann Saure, Christian Vogel, Daniel Luckey, Paul Winter, Julian Feldmann, Janne Puk, Lennart Weigel , Robin Kloß, Simon Spiewok, Torben Hirsch (NK), Max Häfele (NK).